Ernährung mittels PEG mit „normalen“ (natürlichen) Lebensmitteln

Ein Erfahrungsbericht von Oliver Jünke

 

Als ich 2010 die PEG bekam, erhielt ich anfangs ausschließlich die hochkalorische Sondennahrung. Diese führte bei mir zu vermehrten Bauchschmerzen und Verstopfungen. Derartige Nebenwirkungen waren mir vor der PEG eher ein Fremdwort und nur mit Abführmittel und im besonders schweren Fall nur mit einem Einlauf zu beseitigen.

Da ich dies nicht hinnehmen wollte, begannen wir zu experimentieren. Ich wollte wieder normales Essen zu mir nehmen. So pürierten wir zunächst die warmen Mahlzeiten und verdünnten diese mit etwas Sahne und/oder etwas Sondenkost, so dass der beim Pürieren entstandene Nahrungsbrei eine der Sondenkost ähnliche Konsistenz erhielt und gleichzeitig mit zusätzlichen Nährstoffen angereichert wurde.

Diese Art der Nahrungszubereitung bewährte sich bei mir, und so wurden bald alle Mahlzeiten mit dem (Stab-) Mixer zerkleinert und mit der Spritze als Bolusgabe – https://www.youtube.com/watch?v=wf7POyJ1XSU – verabreicht. Je 200 ml „normales“ Essen und 150 ml Flüssigkeit nahm ich regelmäßig zu mir.

Sehr gute Erfahrungen habe ich mit dem Spülen der PEG nach der Nahrungsaufnahme mittels Schwerkraft gemacht. Hierbei wird Wasser in einen Spritzen-Zylinder gegeben, welches dann durch die Schwerkraft von sich aus durch den Schlauch der PEG läuft. Meine PEG war noch nie verstopft und durch das Spülen per Schwerkraft konnte verhindert werden, dass sich Nahrungsreste im Schlauch absetzen.

Meine bisherigen Erfahrungen haben mir gezeigt, dass püriertes Mehrkornbrot oder Leinsamenbrot  sich nicht als Nahrungsbrei für die PEG eignet, da es der Mixer nicht vollständig zerkleinern kann. Die nicht zerkleinerten Getreidekörner verstopfen den PEG-Zugang. Besser geeignet sind z.B. Roggenbrote oder Mischbrote, bei denen das Korn vollkommen gemahlen wurde.

Zu dem Brot gibt es bei mir z.B. Butter, Käse, Ei, Fleischsalat und/oder Lachs, Honig, Marmelade sowie Wurst in allen Ausführungen. Früchte, welche schnell zu Gären anfangen (z. B. Bananen oder Äpfel) sollte man möglichst nicht allzu lange lagern, sondern im frisch zubereiteten Zustand verwenden.

Im Laufe der Zeit stellte ich zudem fest, dass es besser ist, nicht zu scharf und salzig zu kochen. Dadurch wird der Speichelfluss angeregt und man muss mehr schlucken.

Ich nehme über den Tag verteilt ca. 4 bis 5 Mahlzeiten (ca. 300 bis 400 ml) zu mir. Um dem Flüssigkeitshaushalt des Körpers gerecht zu werden, nehme ich zusätzlich zu den Mahlzeiten weitere Getränke wie Tee, Kaffee oder Wasser zu mir.

Bewährt hat sich bei mir auch, dass mein Magen vor jeder Bolusgabe „entlüftet“ wird. Hierbei wird die durch die Verarbeitungsprozesse der Salzsäure sowie der eiweißspaltende Enzyme im Magen entstandenen Gasen aus dem Magen gelassen, bevor sie zu einem Aufstoßen, Völlegefühl, Darmgeräuschen oder Rumpeln und Rumoren führen kann. Hierbei wird wiederum nur der Zylinder einer Spritze an den PEG-Schlauch angeschlossen und der Verschluß des PEG-Schlauches geöffnet und die Luft entweicht von selbst. Es empfiehlt sich den Zylinder mit etwas Papier o.ä. (nicht luftdicht) zu verschließen, da durch die Kraft der Gase etwas Magenflüssigkeit mit in den Spritzen-Zylinder gelangen kann. Das Papier soll ein Spritzen über den Zylinder hinaus verhindern.

Der Ablauf der Mahlzeiten ist unabhängig von den Nahrungsmitteln immer gleich:

  1. Entlüften
  2. Evtl. Medikamentengabe – gemörserte, in ca. 50ml Wasser aufgelöste Medikamente werden  verabreicht (bitte in der Apotheke die Verträglichkeit der Medikamente prüfen lassen – einige Tabletten dürfen nicht zusammen genommen werden)
  3. Nahrungszufuhr -> ca. 200 ml pürierte Nahrungsmittel (diese haben die Konsistenz eines Milchshake)
  4. Flüssigkeitsgabe -> ca. 100 ml Kaffee, Tee, Saft oder Wasser
  5. Spülen -> 50 ml Wasser werden in einer Spritze über Schwerkraft verabreicht.

 

Diese Reihenfolge hat sich bei mir sehr bewährt. Meine jahrelangen Erfahrungen mit der PEG haben mir gezeigt, dass man mit einer PEG ein vollkommen unabhängiges und selbstbestimmtes Leben (wie vor der PEG) führen kann.

UND: es darf auch mal ein Glas Wein oder Bier über die PEG sein.